Ist VR in der Viehzucht sinnvoll und ethisch vertretbar?

Es ist eine skurrile Nachricht, die aktuell um die Welt geht: Kühe in Russland sollen durch den Einsatz von VR-Brillen mehr Milch geben. Ein Prototyp, der bereits getestet werde, soll die Tiere auf eine virtuelle Weide bringen und damit von den wahren Haltungsumständen ablenken.

Massentierhaltung, Globalisierung, Klimawandel – all diese Aspekte hängen miteinander zusammen und bedingen zum Teil einander. Dass dabei das Wohl der Tiere nicht immer an erster Stelle steht ist hinreichend bekannt und eines der Kernthemen grüner Bewegungen. Seit langem fordern diese eine artgerechte Haltung aus unterschiedlichsten Gründen. In Russland dagegen wagt man den Versuch eines anderen Weges und stößt damit auf Spott und Kritik.

VR Brillen für Kühe

Die Kommentarspalten der sozialen Medien sprudeln vor Entsetzen, als die Medien in Deutschland über das Experiment der russischen Bauern berichten. Statt dass die realen Haltungsbedingungen verbessert werden gaukelt man der Kuh per VR eine artgerechte Haltungsumgebung vor. Damit sollen ihre Glücksgefühle und damit die Milchproduktion erhöht werden. Was im ersten Moment nach gutem Willen klingt weckt schnell Assoziationen aus dem Science-Fiction Milieu.

Das wohl berühmteste Beispiel ist die Matrix Trilogie, in der Menschen zur Energieversorgung von Maschinen in einer computergenerierten Welt – der Matrix – festgehalten werden. Die Ablenkung von den realen Lebensbedingungen ist hier zentral und deckt sich mit dem Vorhaben der russischen Bauern. Kuh statt Mensch, Milch statt Energie. Der Aufschrei war zu erwarten und rückt die Technologie in ein schlechtes Licht, obwohl sie bereits mit ähnlichen Zielsetzungen zur Therapie von Menschen eingesetzt wird.

Der Unterschied ist die Wahlmöglichkeit

Dass VR Systeme durch die Immersion, die sie erzeugen einen erheblich hohen Realitätsgrad der durch sie erlebbaren Realitäten erreichen ist bekannt. Therapiemöglichkeiten mit VR, beispielsweise bei Phobien, sind Gegenstand der Forschung. Doch im Vergleich zur Kuh hat der Mensch eine Wahl. Ob die Nutzung von VR bei Nutztieren einen Mehrwert bietet oder als reine Tierquälerei und Ressourcenverschwendung anzusehen ist werden Untersuchungen zeigen. Leider ist von letzterem auszugehen.

Dennoch bedarf dieses Thema einer Diskussion. Nur weil es technisch möglich ist heißt dies noch lang nicht, dass es auch ethisch vertretbar ist. Entsprechend wichtig ist es darüber zu sprechen. In wie weit darf XR Technologie für was eingesetzt werden? Bietet die VR den Kühen auf der Weide tatsächlich einen positiven Mehrwert oder verlagert man damit nur ein Problem, das sich auch durch die schlichte Verbesserung der Haltungsbedingungen lösen lassen würde? All dies sind Fragen, denen sich das DIVR stellt und zu deren Diskussion wir Sie herzlich zum Places Festival im Mai 2020 einladen. Weitere Informationen folgen in Kürze.

BILD: Mosreg.ru

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